Karl-Heinz Schmidt

Das Brandhaus

Dieser Artikel erschien unter dem Titel „'Feuerlöschübungshaus' der Freiwilligen Feuerwehr Höhr-Grenzhausen“ in der Brandhilfe 5/1996, verfaßt von Wehrleiter Karl-Heinz Schmidt.

An verschiedenen Landesfeuerwehrschulen in der Bundesrepublik Deutschland denkt man momentan über den Bau eines Feuerlöschübungshauses nach, so auch an der Landesfeuerwehrschule Rheinland-Pfalz in Koblenz. Die Feuerwehr Höhr-Grenzhausen „besitzt“ ein „Feuerlöschübungshaus“.

Für eine solche Aussage gibt es natürlich auch eine Begründung. An dem vermeintlichen „Feuerlöschübungshaus“ wurde die Feuerwehr allein seit 1989 insgesamt sechsmal einsatzmäßig tätig. Bei allen sechs Einsätzen konnte davon ausgegangen werden, daß es sich um Brandstiftung handelte. In der 25jährigen aktiven Tätigkeit des Verfassers kam die Feuerwehr hier mehr als 15-mal zum Einsatz.

Bei dem Objekt handelt es sich um ein zweigeschossiges Gebäude, das in der Hauptsache aus verputztem Fachwerk besteht. Die Decken bestehen aus Eichenholz. Die Dachform ist eine Mischung aus einem Mansardendach und einem Satteldach mit harter Bedachung (Schiefer).

In dem als Hotel errichteten Gebäude befindet sich seit einigen Jahren eine Gaststätte mit häufig wechselnden Pächtern. Die Gaststätte liegt im Erdgeschoß; im 1. Obergeschoß ist die Wohnung des Pächters untergebracht. Das Objekt liegt im Ortskern des Stadtteiles Grenzhausen. In unmittelbarer Nähe, durch einen Fahrweg von ca. 3 m getrennt, grenzt eine weitere Gastwirtschaft an.

Am 13.07.1989 gegen 15.08 Uhr wurde die Feuerwehr zu einem Wohnungsbrand im ersten Obergeschoß alarmiert. Anwohner hatten damals eine unbekannte Person weglaufen sehen, unmittelbar danach war eine starke Rauchentwicklung festzustellen. Mit einem C-Rohr unter PA konnte das Feuer im Flur der Pächterwohnung gelöscht werden.

Zu einem weiteren Einsatz wurde man am 07.11.1990 gegen 05.31 Uhr gerufen. Damals entdeckte man drei BrandsteIlen im Erdgeschoß, die mit zwei C-Rohren unter PA gelöscht wurden. Auch hier fanden die Ermittler Hinweise auf eine Brandstiftung. Die Gaststätte war gerade renoviert worden und eine Neueröffnung unter einem neuen Pächter stand unmittelbar bevor.

Am 14.10.1991, der Pächter hatte mittlerweile wieder gewechselt, mußte die Feuerwehr um 21.12 Uhr ausrücken; wiederum galt es einen Brand in der Gaststätte zu bekämpfen. Unbekannte hatten die Kücheneinrichtung und die Einrichtung der Wirtsstube mit Benzin übergossen. Lediglich in der Küche kam es zu einem Brand, der gelöscht werden mußte.

Nachdem zur Jahresmitte 1993 wieder eine neue Pächterin ihre Arbeit aufgenommen hatte, kam es am 14.12.1993 zum Höhepunkt. Der Ehemann der Pächterin hatte, zusammen mit einem weiteren Familienangehörigen, eine unbekannte Menge Brandbeschleuniger (Benzin) im gesamten Gebäude verteilt und anschließend in Brand gesetzt. Dadurch kam es zu einer Explosion, bei der eine Wand um ca. 1 m verschoben wurde und sämtliche Scheiben zu Bruch gingen. Durch die aus der Explosion resultierenden Folgebrände wurde das Gebäude, insbesondere der Dachstuhl stark beschädigt. Der geschätzte Sachschaden belief sich auf ca. 500.000,- DM.

Seit Ende 1993 stand das einsturzgefährdete Gebäude leer, weil vom Besitzer und der Stadt Höhr-Grenzhausen über eine weitere Nutzung bzw. über einen Abriß nachgedacht wurde. Nachdem die Denkmalpflege einem Abriß nicht zustimmte, wurde Ende 1995 mit der Renovierung des Gebäudes begonnen.

Zuvor, am 10.06.1995 gegen 03.02 Uhr, mußte die Feuerwehr erneut tätig werden. Im Treppenraum brannten Holzreste und Abfälle, die nach dem letzten Einsatz noch nicht entsorgt worden waren. Die Holztreppe zum ersten Obergeschoß wurde bei diesem Feuer erheblich beschädigt und konnte nicht mehr benutzt werden. Das Feuer wurde unter Einsatz eines Hochdruckrohres unter PA abgelöscht.

Zum zunächst letzten Feuer kam es am Neujahrsmorgen des Jahres 1996. Gegen 04.18 Uhr wurde die Feuerwehr durch FunkmeIdeempfänger von der Polizeiinspektion Montabaur über ein Schadenfeuer in der Gaststätte informiert. Diesmal brannten wiederum Abfälle, die zum Teil durch die kurz zuvor begonnenen Bauarbeiten entstanden. Zum Teil entsorgten aber auch „gute Nachbarn“ ihren Unrat durch die ungesicherten Fenster. Durch dieses Feuer wurde der Dachstuhl des Anbaues, der nicht renoviert werden sollte, erheblich beschädigt.

Zum Schluß bleibt nur noch zu wünschen, daß die begonnene Renovierung zügig vonstatten geht und die Gaststätte in Zukunft von Schadenfeuern verschont bleiben möge. Schließlich hat die Feuerwehr an diesem Objekt vorerst einmal genug „geübt“.

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